Fasnetslexikon
• Alemannische Fastnacht
Bezeichnung für das typische Fastnachtsbrauchtum im deutschen Südwesten aber auch in angrenzenden Gebieten (Alpenraum, Schweiz, Vorarlberg, Tirol). Zentrale Elemente sind die einheitlich kostümierten Narrengruppen, meist mit Holzmasken, das Narrentreiben auf der Strasse oder zentrale Termin wie der Schmutzige Dunschdig oder der Fasnetsmendig mit ihren Bräuchen (Narrenbaumstelen, Tag anrufen, Heische- und Rügebräuche). In der Volskunde der 1920er und -30er Jahre wurde die schwäbisch-alemannische Fastnacht als heidnisches Winteraustreiben bzw. Frühlingsbrauch mißinterpretiert.
• Alte Fastnacht
Montag nach Invocavit. Fastnachtstermin vor Herausnahme der Sonntage aus den 40 Fasttagen vor Ostern. Beginn der dreitägigen Basler Fastnacht (Buurefasnet).
• Aschermittwoch
Mittwoch nach Fastnacht und Beginn der Fastenzeit. In der Tagesmesse wird den Gläubigen als Zeichen ihrer Sterblichkeit ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet.
• Buurefasnet
Bauernfastnacht. Regionale Bezeichnung für die Alte Fastnacht/Fasnet. Auf dem Land hielten die Bauern am alten Termin fest, im Gegensatz zu den Klerikern oder Bürgern der Städte (Pfaffen- oder Herrenfastnacht).
• Dreikönig
Ende der Weihnachtszeit und traditioneller Beginn der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Vielerorts Termin für das „Häsabstauben“ (symbolisches Säubern der Narrenutensilien) und für Versammlungen. In traditionellen Fastnachtsorten ist danach wieder Ruhe bis zum Schmutzige Dunschdig.
• Fasching
Regionale Bezeichnung der Fastnacht, von „Fastschank“ = Trinkgelage vor der Fastenzeit.
• Fastenzeit
Die 40 Tage vor Ostern, an denen im Hinblick auf das Leiden und Sterben Christi der Genuss bestimmter Nahrungsmittel, alkoholischer Getränke und der Sexualität eingeschränkt werden. Ab dem 11. Jahrhundert werden die fünf Fastensonntage vom Fasten ausgenommen, seither beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch.
• Fastnacht
Regional „Fasnet, Fasent, Fasnacht“. Vorabend der Fastenzeit, also eigentlich nur auf den Dienstag vor Aschermittwoch (rheinisch „Fastelovend“) bezogen. Heute allgemein für die ganze Fastnachtszeit, die je nachdem von Dreikönig, vom Schmutzige Dunschdig (Endingen, Villingen, Rottweil) oder vom Fasnetssunndig (Elzach) bis Fastnacht (=Fasnachtsdienstag) dauert.
• Fasnetsküchle
Beliebt sind an Fastnacht alle üppigen und fetten Speisen, besonders die Fasnetsküchle in verschiedenen Formen. Der Berliner (Pfannkuchen) dagegen ist ein Import, der auch außerhalb der Fastnacht erhältich ist. Die fettarme Laugenbrezel ist ein typisches Gebäck der Fastenzeit.
• Fleckle
Stoff- oder Filzstücke, mit denen das Fasnetshäs benäht wird. „Spättle“ sind Fleckle aus zusammengenähten und gewendeten Stoffstücken, oft mit Zierstrich umrandet. Regionale Variante „Blätzle“. Diese „Flecklehäser“ waren ursprünglich abgetragene Anzüge, die zur Fastnacht umgestaltet werden.
• Häs
Alemannisch für Gewand. Anzug (z. B. Sundigshäs), also auch für das Fastnachtskostüm (eigentlich Fasnetshäs). Regional auch „Kleid/Kleidle“ (z. B. In Rottweil). Haupthästypen sind die mit Stoff- oder Filzstücken benähten „Flecklehäs“ (auch Spättle- oder Blätzlehäs) und die bemalten Stoffgewänder der Weißnarren. Es gibt mit Stroh, Schindeln, Korken, Gräsern und anderen Materialien benähte Häser und solche aus Tier- oder Kunstpelz, Hexen tragen meist von Frauengewändern abgeleitete Kostüme.
• Heischebrauch
Im ganzen alemannischen Raum übliches „Heischen“, das heisst Erbetten von Fasnetsküchle und anderen Gaben an Fastnach. Oft mit entsprechenden Versen verbunden („Gitzig, gitzig, gitzig isch de Beck, un wenn er nit so gitzig wär, dann gäb er gleich e Weckli her“). Ursprünglich übten die Narren selbst den Heischebrauch bei der Obrigkeit und in den Häusern aus, heute sind es vor allem Kinder, die von den Narren Gaben erheischen. Die dabei oft verteilte Brezel ist an sich ein typisches Fastengebäck und hat eigentlich an Fastnacht nichts zu suchen.
• Invocavit
Erster Fastensonntag. (Die Bezeichnung der Fastensonntage Invocavit, Reminiscere, Oculi, Laetare, Judica und Palmarum geht auf den jeweiligen Introitus (Anfangsvers der Messe) zurück). Traditioneller Termin für Fastnachtsfeuer und Scheibenschlagen (Funkensonntag). In der Nacht zum Montag beginnt mit dem „Morgenstraich“ die Basler Fasnacht.
• Karneval
Regionale Bezeichnung der Fastnacht, von „Carne levare“ = Aufhebung des Fleisches. Scherzhaft: „Carne Vale“ = Fleisch, lebwohl! Heute meist auf den rheinischen Karneval (Köln, Aachen, Düsseldorf, Mainz) bezogen, noch im 19. Jahrhundert auch in süddeutschen Städten verbreitet (Freiburg, Villingen, Konstanz).
• Marotte
Narrenzepter, oft mit einem Narren als Kopf. Dient wie der Narrenspiegel als Ausweis der Gottesferne, weil Selbstbezogenheit des Narren. Ursprung des Wortes „Marotten“ für närrische Eigenheiten eines Menschen.
• Maske
Von ital.: „Maquera“. Ursprünglich Bezeichnung für die gesamte Verkleidung, wie beispielsweise noch in Villingen (Maschgere) oder Basel. Heute jedoch meist eingeschränkt auf Gesichtsmaske. Für diese sind auch regionale Bezeichnungen wie „Larve“ (z. B. in Elzach oder Basel), „Schemme/Scheme“ (z. B. in Villingen) oder „Holz“ (z. B. in Freiburg) üblich. Die Masken der alemannischen Fasnet sind meist aus Lindenholz geschnitzt und entweder gebeizt, direkt auf dem Holz lasierend bemalt oder aufwendig grundiert und gefasst. Daneben gibt es Masken aus Drathgaze, Leder, Pappmaché, Textilien und Wachstuch (Bergamasker Masken). Eine noch geübte, sehr alte Form der Maskierung ist das Einfärben des Gesichts mit Fett und Mehl oder Russ (z. B. in Waldshut oder in Merdingen).
• Narr
Zentrale Fasnachtsfigur. Ursprünglich Bezeichnung für den ausserhalb menschlicher Norm stehenden Gottesleugner. Der „Standardnarr“ mit Eselsohrenkappe, Schellen oder Hahnenkamm, Mi-Parti-Gewand und Marotte bildet sich bis 1500 aus. Als Begleiter des Teufels kam die Figur des Narren ins Fastnachtsspiel.
• Narrensamen
Der Nachwuchs der Narren, der meist aus den Zünften heraus in die Fastnacht hineinwächst.
• Narrentreffen
Narrentreffen gehören zu den jüngeren Brauchformen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, oft verbunden mit einem Zunftjubiläum o.ä.. Das erste Narrentreffen fand 1928 in Freiburg statt. Heute meist zwei- oder mehrtägige Zusammenarbeit mit den Narrenverbänden organisierte Grossveranstaltungen mit Brauchtumsvorführungen, Freinacht und grossem Umzug, an denen Tausende von Narren und Zuschauern teilnehmen. Zentrale Narrentreffen werden häufig im Fernsehen übertragen.
• Narri - Narro
Ruf der Narren im schwäbisch-alemannischen Raum im Gegensatz zum „Helau“, das eher dem rheinischen Karneval zugeordnet wird. Daneben sind auch regionale oder zunftbezogene Narrenrufe üblich.
• Rätsche
Fastnächtliches Lärminstrument, ursprünglich im Weinbau eingesetzt. Auch als Ersatz für die Kirchenglocken in der Fastenzeit gebräuchlich.
• 11.11.
Seit dem Mittelalter ist die elf eine Narrenzahl, um eins grösser als die Zehn Gebote und um eins kleiner als die Jünger Jesu, mithin eine Zahl ausserhalb der Ordnung, wie auch der Karneval die alltägliche Ordnung auf den Kopf stellt. Eine weitere Erklärung: „Gleiche Brüder, gleiche Kappen“ lautete die Faschingsdevise von 1827 und so wurde aus der Forderung der Französischen Revolution egalité, liberté, fraternité = elf. Der dritte Erklärungsversuch: Auf dem Siegel einer Urkunde aus dem Jahr 1381 stand „Eyy lustig fröhlich“. Ergibt ebenfalls elf. Dass am 11.11. gefeiert wird, könnte sich auch aus einer bäuerlichen Tradition ableiten: An Martini begannen und endeten Dienstverhältnissse, Lohn und Pacht wurden fällig: Knechte und Mägde feierten. Die schwäbisch-alemannische Fasnet dagegen beginnt an Dreikönig, am 6. Januar.